ALUMNI


Tanja Poppelreuter hat aus Neuseeland folgenden Bericht geschickt:
obacht@arcor.de


Das Neue Bauen für den Neuen Menschen“ war das Thema meiner Dissertation, die ich bei Prof. Klaus Herding geschrieben habe. Ich war dabei ein Mitglied des Graduiertenkollegs „Psychische Energien bildender Kunst“ und hatte das große Glück, auch ein Forschungsstipendium bekommen zu haben.

Fast unmittelbar nach meiner Disputation bin ich im November 2002 nach Japan gegangen, um dort als Deutschlehrerin zu arbeiten. In der Wartezeit zwischen der Abgabe der Dissertationsschrift und der abschließenden Prüfung hatte ich mich auf zig verschiedene freie Stellen beworben. Die Anzeige der japanischen Firma war eine davon. Eigentlich hatte ich mich nur spaßeshalber beworben. Auch zum Vorstellungsgespräch fuhr ich nur der Übung halber und weil es ein guter Grund war, die Pinakotheken in München zu besuchen.

Als ich dann die Zusage bekam, war ich doch einigermaßen überrumpelt. Nach Japan zu gehen, bedeutet ja nicht nur, die Wohnung aufzugeben und alle Möbel zu verkaufen, sondern auch, Freunde und Familie zu verlassen. Ich entschied mich dafür, ein Jahr aus dem Bewerbungskarussell auszusteigen, da dies meinem Selbstwertgefühl sicherlich zuträglich sein würde – was es auch war.

Japan hat sich dann als so attraktiv erwiesen, daß ich gleich drei Jahre blieb.
Ich arbeitete in Osaka, in dem sog. „Multimedia-Center“ der größten Sprachschule von Japan. In diesem „Center“ waren zur Hochzeit 600 Sprachlehrer beschäftigt: nur 30 davon waren Deutsche. Die meisten waren Englischlehrer, aber auch Chinesen, Spanier, Franzosen und Italiener unterrichten dort. Wir waren via Internet mit Haushalten in ganz Japan verbunden und haben per Videokonferenz bis zu drei Schüler unterrichtet.

Aber nicht die Arbeit war die Herausforderung. Die Sprache, Kultur und Menschen kennen zu lernen und zu verstehen, war weitaus schwieriger. Als Kunsthistorikerin bin ich natürlich fast wöchentlich nach Kyoto gepilgert und ich kann auch jetzt noch nicht sagen, daß ich alle Sehenswürdigkeiten besichtigt habe.
Japan ist ein faszinierendes Land, aber für Ausländer ist es ungemein schwierig, dort wirklich Fuß zu fassen. Das liegt vielleicht an den kulturellen Unterschieden, aber sicherlich hauptsächlich an der Sprachbarriere, die – wie ich finde – nur mit enormen Anstrengungen zu überbrücken ist.

Aus diesen Gründen habe ich vor kurzem Japan verlassen, um nach Auckland, Neuseeland, zu gehen. Die Arbeitsmarktsituation ist sehr gut. Ich werde zunächst in einem Call-Center arbeiten, hoffe aber auf lange Sicht, in der kleinen, aber feinen Kunstszene mitmischen zu können.

Tanja Poppelreuter

 

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